Kennwert
Sichtfeld bei Smart Glasses richtig lesen (FOV)
Diagonal oder horizontal, Grad oder Zoll: Warum dieselbe Anzeige drei verschiedene Zahlen bekommt — und welcher Wert im Alltag wichtiger ist als das Sichtfeld.
Kurz gesagt
Das Sichtfeld gibt an, wie groß der eingeblendete Bildbereich vor dem Auge erscheint, gemessen als Winkel. Entscheidend ist, welcher Winkel gemeint ist: diagonal, horizontal oder vertikal. Dieselbe Anzeige bekommt so drei verschiedene Zahlen – und die diagonale ist immer die größte.
Warum ein Winkel und keine Zollangabe
Ein virtuelles Bild hat keine physische Größe. Wie groß es wirkt, hängt davon ab, in welche Entfernung die Optik es projiziert. Deshalb wird nicht in Zoll gemessen, sondern im Winkel, den das Bild im Auge einnimmt. Die Zollangaben in der Werbung („wie ein 130-Zoll-Fernseher“) sind Umrechnungen mit einer angenommenen Betrachtungsentfernung – und die wird selten dazugeschrieben.
Die häufigste Irreführung in diesem Produktfeld
„130 Zoll“ ohne Entfernungsangabe ist keine Information. Dieselbe Anzeige ist „100 Zoll aus 3 Metern“ oder „200 Zoll aus 6 Metern“ – das Bild bleibt exakt gleich. Wer vergleichen will, vergleicht Gradzahlen und achtet darauf, ob diagonal oder horizontal gemeint ist.
Diagonal, horizontal, vertikal
Bei einem Bild im Seitenverhältnis 16:9 ist der diagonale Winkel deutlich größer als der horizontale und noch deutlich größer als der vertikale. Hersteller nennen bevorzugt den diagonalen Wert – nicht unehrlicherweise, aber eben nicht vergleichbar mit einer horizontalen Angabe eines anderen Geräts. Wer zwei Geräte vergleicht, muss prüfen, ob dieselbe Achse gemeint ist.
Was viel ist und was wenig
Zur Einordnung, bewusst als Größenordnung und nicht als Modellwert:
| Zweck | Größenordnung | Was das bedeutet |
|---|---|---|
| Kurzinformation im Gehen | wenige Grad bis knapp 30 Grad diagonal | Navigationspfeil, Untertitelzeile, Uhrzeit — mehr passt nicht |
| Video und Gaming | 40 Grad und mehr diagonal | Ein Bild, das den Blick füllt, ohne dass man den Kopf bewegt |
| Virtueller Arbeitsplatz | Je größer, desto besser — mit Grenzen | Text am Rand wird unscharf, wenn die Optik nicht mithält |
| Vollständige Einbettung (VR) | deutlich über 90 Grad | Andere Gerätegattung, siehe Begriffe |
Tabelle seitlich scrollbar →
Einordnung als Größenordnung, keine Modellangaben. Konkrete Werte stehen in den Spezifikationen der Hersteller.
Warum mehr Sichtfeld nicht einfach besser ist
- Dieselbe Pixelzahl auf mehr Fläche bedeutet weniger Detail. Ein größeres Bild kann grober wirken.
- Mehr Fläche bei gleicher Lichtleistung bedeutet ein dunkleres Bild – siehe Helligkeit und Nits.
- Größere Optik bedeutet mehr Gewicht vor der Nase.
- Der Randbereich wird schlechter. Schärfe und Farbtreue lassen zum Rand hin nach, je größer der Winkel ist.
Der Wert, der noch wichtiger ist
Die Eyebox – also der Bereich, in dem sich die Pupille befinden darf, damit das Bild vollständig sichtbar bleibt. Ist sie klein, verschwinden Bildecken, sobald die Brille verrutscht oder der Augenabstand nicht passt. Eine kleine Eyebox ist im Alltag ärgerlicher als ein kleines Sichtfeld, wird aber fast nie beworben. Wer ein Gerät testen kann, sollte die Brille bewusst leicht verschieben und schauen, wann das Bild leidet.
Stand: 26. August 2026 · Wir aktualisieren diese Seite, wenn sich die Rechtslage oder die Technik ändert.
Häufige Fragen
Was bedeutet FOV bei Smart Glasses?
Field of View, das Sichtfeld: der Winkel, den das eingeblendete Bild im Auge einnimmt. Angegeben wird meist der diagonale Wert, der größer ausfällt als der horizontale.
Sind 46 Grad Sichtfeld viel?
Für eine Videobrille ist das ein üblicher Bereich, für eine durchsichtige Alltagsbrille wäre es sehr viel. Die Zahl ist nur im Zusammenhang mit der Bauart und der gemessenen Achse aussagekräftig.
Warum werben Hersteller mit Zollangaben?
Weil eine Zollzahl anschaulicher wirkt als ein Winkel. Ohne die angenommene Betrachtungsentfernung ist sie allerdings nicht vergleichbar.
Was ist die Eyebox?
Der Bereich, in dem die Pupille sitzen darf, damit das Bild vollständig sichtbar ist. Ist er klein, reagiert das Bild empfindlich auf Verrutschen der Brille.